Gastartikel | Männermodels – It’s a Womensworld 2


Damit auch das andere, weniger grüne Ufer des Modelbusiness hier auf dem Modelblog nicht zu kurz kommt, habe ich meinen total lieben Freund Sandro gebeten mal etwas über die Modelindustrie aus der Perspektive eines männlichen Models zu berichten. Sandro und ich haben uns bei meiner damaligen Agentur Louisa Models kennen gelernt. Darf ich also vorstellen – Sandro Lagkadinos:

Sandro hat griechisch-türkische Wurzeln (seine Mama macht das beste Essen überhaupt!), er ist 21 Jahre alt, studiert Tourismus-Management und wohnt wie ich in München. Sandro modelt seit über einem Jahr und gibt euch in diesem Gastartikel einen sehr interessanten Einblick in die Welt der Männermodels. Viel Spaß beim Lesen!

Männermodels – It’s a Womensworld

Der Geschlechterkampf sorgt schon in frühem Kindesalter für ein reges Herumgeschupse im Sandkasten. Mit vorangeschrittenem Alter kommt irgendwann das Interesse für das andere Geschlecht. Wenn uns dann langsam der Oberlippenflaum meinen lässt, dass wir bald die Rolle von „Magnum PI“ übernehmen könnten, kann uns nichts und niemand einreden, dass wir nicht die unangefochtenen Herrscher unseres bis dato etwas größer gewordenen Sandkastens sind. Unsere Spielwiese kann noch so groß sein, jedoch hört sie spätestens dann auf, wenn wir einen Fuß über die Grenze zu einer der Straßen mit den großen Modelabels wie Gucci, Louis Vuitton, Prada – und wie sie noch so alle heißen – setzen. Männer, dieses Terrain ist der „Frauenspielplatz“, auf dem sich eine Boutique an die andere reiht – Genau so verhält es sich auch in hinter den Kulissen der großen Welt der Mode.

Das Modelbusiness ist für Männer ein hartes Pflaster. Hält man seinen Körper nicht in Topform und investiert man nicht ständig Zeit und Schweiß für den netten Waschbrettbauch, wird man schnell ausrangiert und durch einen ersetzt, der am gestrigen Abend nach sechs Uhr vielleicht nicht gerade ein halbes Kilo Nudeln mit Pesto verputzt hat. Im Gegensatz zur glamourösen Welt der weiblichen Models flaniert man meist namenlos über die Laufstege. Nur wenige schaffen es, wirklich viel Geld zu verdienen. Ich persönlich – und so ist es meistens der Fall – betreibe diesen Beruf nur zur Finanzierung meines Studiums. Wer jedoch tatsächlich den Durchbruch schafft, dem winken Anzeigenkampagnen auf dem ganzen Erdball. Ein weiterer, nicht unwesentlicher Unterschied sind die Gagen. Abgesehen von Topmodels, verdienen männliche Models weitaus weniger als Frauen. Generell erhalten Anfänger Tageshonorare von 250€ – 500€. Mit voranschreitender Berufserfahrung bekommt man Gagen von 700€ – 3000€ oder manchmal auch 5000 € pro Tag. Topmodels erzielen wie es der Name auch schon vermuten lässt Tagesgagen von 20.000€ – 30.000€ oder teils sogar mehr. Da die Haupteinnahmequelle der Modelabels vornehmlich weibliche Kunden darstellen, macht sich die Modebranche grundsätzlich eher Gedanken um Frauen, was die Bedürfnisse und Trends in Sachen Klamotten anbelangt. Dadurch gibt es entsprechend auch wesentlich mehr und besser bezahlte Jobs für weibliche Models.
Männliche Topmodels bekommen natürlich Gagen, von denen man nur träumen kann und verdienen hier und da dann auch das eine oder andere „Milliönchen“. Auch wenn sich das nach wahnsinnig viel annhört, muss man in Relation betrachtet sagen, dass Mann trotzdem um einiges weniger verdient als Frau – So viel zum Thema Benachteiligung der Frauen in Sachen Gehälter.

Emanzipation der Männer & Topmodels

Einer dieser Topmodels und die Nummer Eins im Ranking der Top 50 male Models, ist der 21 jährige Baptiste Giabiconi aus Marseille, seines Zeichens die neue Muse von Karl Lagerfeld. Jetzt stelle man sich vor man ist gerade 20 geworden und Hubschraubermonteur in Marseille. Plötzlich wird man von Herrn Lagerfeld entdeckt, wird von einem Tag auf den anderen Topmodel und ist in aller Munde. Tja, so ist das, wenn ein Lagerfeld von einem schwärmt. Was man nicht machen sollte ist, sich so etwas zum Vorbild zu nehmen. So ein rascher Aufstieg (nach nur sechs Monaten als Model) in die Schwergewichtsklasse der Mode ist so selten wie nach einer Maß auf der Wies’n nicht noch eine Zweite nachzubestellen.

Aber zäumen wir das Pferd doch mal von hinten auf und reden wir darüber, wann und mit wem das Männermodelbusiness professionalisiert wurde. Berichtigt mich falls ich mich irre, aber der richtige Hype ist meiner Meinung nach mit Markus Schenkenberg, dem bis heute bestbezahltesten männlichen Model, aufgekommen. Bekannt wurde er 1991 durch die Jeans-Kampagne für Calvin Klein und war seinerzeit der einzige der Welt, der neben den weiblichen Supermodels auf einem Foto Bestand hatte und nicht durch ihre Schönheit verschluckt wurde. Seitdem wechseln die Designer ihre Vorstellung in Bezug auf das Aussehen des richtigen Typs wie andere ihre Socken: Da ist einerseits der androgyne Typ, wie z.B Andrej Pejic – bei dem man in Sachen Partnervermittlung bei FriendScout24 bspw. zweimal hinschauen müsste, ob es nun Männlein oder Weiblein ist. Andererseits gibt es den kernigen, muskulösen Typ, dem mehr als drei Haare im Gesicht wachsen. Zugegebenermaßen  waren in den letzen Jahren eher feminine Models gefragt. Diese Saison jedoch sind wieder die durchtrainierten, markanten Jungs mit gesundem Teint wie ein Arthur Sales oder Jon Kortajarena an der Reihe. Wenn dann aber ein männliches Model mit Pumps und Paillettenkleid über den Laufsteg der New Yorker Fashion Week läuft und dabei noch künstliche Brüste trägt, könnte man schnell ein falsches Bild bekommen und meinen dass der Großteil von uns doch eh schwul sein muss, um sowas über sich ergehen zu lassen. Generell ist die gesamte Branche eher gegen die männliche Natur und man kommt sich anfangs absolut bescheuert vor, wenn man geschminkt wird oder wenn der Fotograf von einem verlangt den Kopf in den Nacken zu legen und sexy zu gucken. Jedes mal eine eher unangenehme Prozedur, durch die man einfach durch muss und an die sich keiner so schnell gewöhnt. Es gibt aber natürlich auch die andere Seite vom Business, um die einen ein jeder Mann beneidet und der den Großteil der nächtlichen Diskussionen in Bars einnimmt: Frauen, wunderschöne Frauen, mit perfekten Maßen und Beinen bis zum Himmel. Was ich damit sagen möchte ist, dass eine Medaille immer zwei Seiten hat. Wenn man die Veranlagung dazu hat schwul zu werden, hat das letzten Endes nichts mit dem Modeln zu tun, sondern man ist es eben oder man ist es nicht.

Wie wird Mann Model?

Um es gleich vorwegzunehmen, man muss eine ganze Reihe von Voraussetzungen erfüllen, die weit über das Schönsein alleinehinausgehen. Hier also ein paar Kriterien für die Modelkarriere: Grundlage ist natürlich erst einmal ein fotogenes Aussehen. Das Einstiegsalter ist wesentlich höher als bei Frauen. Wenn die Mädels schon teils mit 14 über die Laufstege flanieren, sieht man uns erst mit frühestens 17. Ihr solltet mindestens 183 cm aber nicht größer als 190 cm, athletisch gebaut sein und viel Selbstdisziplin haben. Das sind die grundlegenden Dinge, die erst mal zu passen haben. Es bringt natürlich nichts, wenn ich lang und breit erkläre, wie man auszusehen hat, weil die Agenturen letztendlich individuell entscheiden, ob man geeignet ist oder nicht. Wenn ihr meint, dass ihr das Zeug dazu habt, dann schickt doch einfach mal ein paar Bilder an verschiedene Agenturen. Die Polaroids sollten so natürlich wie möglich sein; also eine stink normale Jeans mit einem weißen T-Shirt, am besten frei von jeglichen Flecken von der gestrigen Pasta oder der Marmelade vom Frühstück: Ein frontales Bild, ein linkes, ein rechtes Bild im Profil, ein Ganzkörper, eines in dem man ein bisschen grinst und dann ab damit. Traut euch, mehr als „nein“ sagen können sie eh nicht. Und wer weiß – vielleicht klappt es dann nicht nur mit der Nachbarin, sondern auch mit der Modelkarriere!



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